Augenkrankheiten
Glaukom – Grüner Star
Das Glaukom ist eine Erkrankung, bei welcher sich der Sehnerv zunehmend verdünnt. In dessen Folge kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfeldes. Als Patient merkt man das leider meist erst sehr spät und die bereits verlorenen Sehnervenanteile sind unwiderruflich verloren. Dann kann es sein, dass man Hindernisse, wie Trottoirränder, Velos, Autos oder Treppenstufen nicht mehr sieht.
So erhöht sich das Risiko eines Unfalls und noch viel wichtiger reduziert sich die Lebensqualität bleibend. Umso wichtiger sind darum regelmässige Vorsorgekontrollen mit Messung des Augeninnendrucks.
Diagnostik und Therapie des grünen Stars (Glaukom) / HRT und OCT modernste Diagnostik der Nervenfaserschichtmessung
In der Diagnosestellung des grünen Stars kommt neben dem erhöhten Augendruck, der Gesichtsfeldmessung dem Sehnerven eine wichtige Bedeutung zuteil. Mit modernsten Untersuchungsmethoden wie dem OCT (optische Kohärenztomographie) kann die Sehnervenfaserschichtdicke exakt bestimmt werden. Wichtig ist, dass der Sehnerv erhalten bleibt. Dies versucht man in der Regel über eine Senkung des Augendrucks, welche primär medikamentös, jedoch auch mit Laser oder einer Operation erreicht werden kann.
Die verschiedenen Formen des grünen Stars
Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu einem Glaukom führen.
-
In der Schweiz ist das sogenannte primäre Offenwinkelglaukom am häufigsten. Bei dieser Form wissen wir bis heute nicht abschliessend, wieso sie sich entwickelt. Immerhin ist bekannt, dass der Augeninnendruck ein wichtiger Risikofaktor ist und darum dessen Kontrolle sehr wichtig ist. In den letzten Jahren ist die Messung der Sehnervendicke immer wichtiger geworden. Nimmt die Dicke übermässig ab, ist ein Glaukom möglich und der Augeninnendruck sollte gesenkt werden.
-
Ein Unterform des primären Offenwinkelglaukoms ist das Niederdruckglaukom. Dabei kommt es zu einer Abnahme des Sehnerven bei an sich "normalen" Druckwerten. Auch hier kennen wir die Ursache nicht. Gemeinsam ist dieser Patientengruppe oft, dass die Regulation der Durchblutung nicht gut ist. Deswegen haben diese Patienten oft auch Symptome wie Migräne, kalte Hände und Füsse, tiefer Blutdruck, Tinnitus, Muskelkrämpfe und/oder ein reduziertes Durstgefühl.
-
Die Senkung des Augeninnendrucks ist beim Glaukom die Therapie der Wahl. In aller Regel beginnt man zuerst mit täglich anzuwendenden Augentropfen. Falls nötig kann man verschiedene Wirkstoffe auch kombinieren. Wird damit keine genügende Senkung des Augeninnendrucks erreicht, ist als nächster Schritt eine sanfte Laserbehandlung sinnvoll. Dabei wird der Abfluss des Auges, das sogenannte Trabekelmaschenwerk fein gereinigt. Falls das Glaukom trotz Maximaltherapie fortschreitet, folgt die Operation zur Senkung des Augeninnendrucks. Heutzutage gibt es eine Vielzahl an operativen Optionen, welche mit einem tiefen Komplikationsrisiko einhergehen. Im besten Fall lässt sich das Glaukom mit diesen Massnahmen stabilisieren und jede dieser Optionen braucht eine lebenslange Begleitung und Behandlung.
Engwinkelglaukom
Eine andere wichtige Glaukomform ist das Engwinkelglaukom. Der erhöhte Augeninnendruck entsteht hier durch einen zu engen Abfluss. Man spricht dann vom Winkelverschluss. Dieser Verschluss kann partiell und chronisch sein oder auch akut auftreten. Letzteres kann mit sehr hohen und akut das Sehvermögen bedrohenden Augeninnendrücken einhergehen. Menschen mit Weitsichtigkeit haben ein höheres Risiko für einen chronischen wie auch akuten Verschluss des Abflusses im Kammerwinkel. Das liegt daran, dass bei Weitsichtigkeit das Auge kürzer ist und damit auch alle Strukturen im Auge näher beisammen sind. Zudem wird im Verlauf des Lebens die Linse immer dicker und begünstigt dadurch zusätzlich einen Verschluss des Abflusses.
Behandlung Engwinkelglaukom
Wir können den Augeninnendruck konventionell mit Augentropfen senken. Diese bieten allerdings vor einem plötzlichen Verschluss keinen Schutz. Bei wirklich engen Verhältnissen empfehlen wir auch bei noch guter Sehschärfe eine Kataraktoperation (Entfernung der Linse). Die neue Kunstlinse bedarf viel weniger Platz im Auge, wodurch auch der Abfluss im Auge wieder mehr Platz hat. Damit reduziert sich das Risiko für einen Verschluss des Abflusses deutlich und der Sehnerv ist oft bleibend geschützt. Ob sie zu dieser Risikogruppe gehören, lässt sich mittels einer Routineuntersuchung bei uns im Augenzentrum Reinach feststellen. Neben den Augentropfen und der Kataraktoperation beim engen Winkel gibt es auch noch zwei Lasereingriffe, welche das Risiko für einen Verschluss reduzieren. Diese Risikoreduktion ist allerdings weniger stark ausgeprägt als nach einer Kataraktoperation. Auf die Sehschärfe haben diese Eingriffe keinen Einfluss.
Dr. med. Nicolas Waldmann hat mehrjährige Erfahrung in der Diagnostik, Behandlung und Operation des grünen Stars. Er hat mehrere Jahre am Universitätsspital Basel in der Glaukom-Forschungsgruppe aktiv mitgearbeitet und hält an verschiedenen Kongressen Vorträge zum Thema des Glaukoms und dessen Therapie – sei es mit Augentropfen oder mittels einer Operation.